Diese beliebten Supermarkt-Focaccias haben mehr Kalorien als eine Pizza: Was Hersteller verschweigen

Focaccia gilt als mediterranes Kulturgut und steht in vielen Bäckereien als vermeintlich leichte Alternative zu herkömmlichem Brot im Regal. Das luftige italienische Fladenbrot mit seiner charakteristischen Oberfläche und den aromatischen Kräutern wirkt auf den ersten Blick wie eine unproblematische Wahl für ernährungsbewusste Verbraucher. Doch hinter der appetitlichen Fassade verbirgt sich ein durchaus reichhaltiges Produkt, dessen Kaloriendichte viele unterschätzen. Ein durchschnittliches Focaccia-Stück von 100 Gramm enthält zwischen 240 und 290 Kilokalorien, und wer genauer hinschaut, entdeckt schnell die Gründe dafür.

Die Öl-Offensive: Warum Focaccia reichhaltiger ist

Das Geheimnis der Focaccia liegt in ihrer traditionellen Herstellung. Während normales Weizenbrot hauptsächlich aus Mehl, Wasser, Hefe und einer Prise Salz besteht, kommt bei Focaccia eine entscheidende Zutat hinzu: Olivenöl. Sowohl im Teig selbst als auch auf der Oberfläche verteilt, sorgt das Öl für die charakteristische Textur und den unverwechselbaren Geschmack. Genau hier liegt jedoch die Krux für Kalorienbewusste. Zum Vergleich: Normales Vollkornbrot bringt es auf etwa 200 bis 230 Kilokalorien pro 100 Gramm. Der Unterschied mag auf den ersten Blick moderat erscheinen, summiert sich aber schnell, besonders wenn man die üblichen Portionsgrößen betrachtet.

Versteckte Fettquellen: Mehr als nur Olivenöl

Das offensichtliche Olivenöl ist allerdings nur ein Teil der Geschichte. Viele industriell hergestellte oder in Bäckereien produzierte Focaccia-Varianten enthalten zusätzliche Fettquellen, die auf der Zutatenliste oft unauffällig erscheinen. Butterbeimischungen im Teig, Käsebestreuungen oder Toppings mit Oliven und getrockneten Tomaten in Öl erhöhen den Fettgehalt weiter. Bei den meisten handelsüblichen Focaccia-Produkten liegt der Fettgehalt zwischen 2 und 11 Gramm pro 100 Gramm, wobei Varianten mit reichhaltigen Toppings die obere Grenze erreichen.

Besonders bei verpackten Focaccia-Produkten aus dem Supermarkt lohnt sich ein genauer Blick. Hier finden sich häufig gehärtete Pflanzenfette oder Palmöl als kostengünstigere Alternative zum hochwertigen Olivenöl. Diese Fette liefern dieselbe Kalorienmenge, bieten aber nicht die gesundheitlichen Vorteile des mediterranen Klassikers. Ein Blick auf die Nährwerttabelle gibt Aufschluss über die tatsächliche Zusammensetzung des jeweiligen Produkts.

Das Nährwertprofil im Detail: Wo die Balance fehlt

Die Problematik der Focaccia liegt nicht allein in der Kalorienzahl, sondern im grundlegenden Ungleichgewicht ihrer Nährstoffzusammensetzung. Focaccia wird üblicherweise aus hellem Weizenmehl hergestellt, das primär schnell verfügbare Kohlenhydrate liefert. Dazu kommen reichlich Fette, während essenzielle Nährstoffe wie Proteine, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe deutlich unterrepräsentiert sind.

Ein typisches Nährwertprofil zeigt Kohlenhydrate zwischen 36 und 51 Gramm pro 100 Gramm, hauptsächlich einfache Kohlenhydrate. Die Fette liegen bei 2 bis 11 Gramm, Proteine bei 6 bis 10 Gramm und Ballaststoffe lediglich bei 1 bis 3 Gramm pro 100 Gramm. Dieser Nährstoffmix führt zu mehreren problematischen Effekten: Die schnellen Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen und genauso schnell wieder abfallen, was zu erneutem Hunger führt. Die geringe Menge an Ballaststoffen sorgt für ein unzureichendes Sättigungsgefühl. Das Ergebnis ist eine hohe Kalorienzufuhr bei gleichzeitig schnell wiederkehrendem Appetit.

Portionsgrößen: Das unterschätzte Risiko

Ein weiteres Problem liegt in der Wahrnehmung angemessener Portionsgrößen. Focaccia wird häufig in großzügigen Quadraten oder Rechtecken verkauft, die optisch als eine Portion erscheinen, tatsächlich aber 150 bis 200 Gramm wiegen können. Bei einem 180-Gramm-Stück summiert sich die Kalorienzahl schnell auf 430 bis 520 Kilokalorien – ein beachtlicher Anteil des Tagesbedarfs einer durchschnittlichen Frau mit Abnehmziel.

In Restaurants oder Cafés wird Focaccia zudem oft als Beilage serviert, ohne dass dies in der Kalorienplanung berücksichtigt wird. Das vermeintlich harmlose Stück Brot zum Salat addiert unbemerkt erhebliche Mengen an Energie zur Mahlzeit hinzu. Wer glaubt, durch die Wahl eines leichten Salats Kalorien zu sparen, macht diese Einsparung durch die Focaccia-Beilage häufig wieder zunichte.

Der glykämische Index: Blutzuckerachterbahn inklusive

Das helle Weizenmehl, aus dem Focaccia traditionell gebacken wird, weist einen hohen glykämischen Index auf. In Kombination mit dem Fettgehalt entsteht eine besondere Stoffwechselsituation: Der Blutzucker steigt zunächst an, die Fette verzögern jedoch die Verdauung, sodass die Energie über einen längeren Zeitraum bereitgestellt wird.

Diese Konstellation erschwert die Gewichtskontrolle zusätzlich. Die Insulinausschüttung wird stimuliert, was die Fetteinlagerung begünstigen und gleichzeitig den Fettabbau hemmen kann. Für Menschen mit Insulinresistenz oder Diabetes Typ 2 ist Focaccia daher besonders problematisch. Auch bei Gesunden kann der regelmäßige Konsum zu Energieschwankungen, Heißhungerattacken und langfristig zu Gewichtszunahme führen.

Versteckte Salzmengen: Das übersehene Problem

Neben Fett und Kalorien enthält Focaccia häufig beachtliche Salzmengen. Das Salz dient nicht nur der Geschmacksintensivierung, sondern wird oft auch zur Teigverbesserung eingesetzt. Werte zwischen 1,3 und 1,6 Gramm Salz pro 100 Gramm Focaccia sind bei handelsüblichen Produkten üblich – bei einer 150-Gramm-Portion entspricht das bereits etwa einem Drittel der empfohlenen Tagesmenge.

Übermäßiger Salzkonsum führt zu Wassereinlagerungen, die sich auf der Waage bemerkbar machen und die Motivation beim Abnehmen beeinträchtigen können. Langfristig begünstigt zu viel Salz Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Kombination aus erhöhten Kalorien, Fetten und reichlich Salz macht Focaccia aus ernährungsphysiologischer Sicht zu einer problematischen Wahl für die regelmäßige Ernährung.

Praktische Orientierung beim Einkauf

Wer trotz der genannten Nachteile nicht auf Focaccia verzichten möchte, sollte beim Kauf besonders aufmerksam sein. Die Nährwerttabelle gibt verlässlich Auskunft über Kalorien- und Fettgehalt. Produkte mit weniger als 5 Gramm Fett pro 100 Gramm sind deutlich vorteilhafter als solche mit 10 Gramm oder mehr. Die Zutatenliste verrät, welche Ölsorten verwendet wurden – hochwertiges Olivenöl ist gehärteten Fetten vorzuziehen.

Varianten mit Vollkornmehl bieten mehr Ballaststoffe und einen niedrigeren glykämischen Index, sind aber dennoch keine leichten Produkte. Auch hier gilt: Der Kaloriengehalt bleibt durch das Öl erheblich. Selbstgemachte Focaccia ermöglicht die Kontrolle über Ölmenge und Mehlsorte, erfordert aber Disziplin bei der Dosierung. Viele Rezepte verwenden traditionell großzügige Ölmengen, die für Diätzwecke deutlich reduziert werden müssten.

Alternativen für ernährungsbewusste Genießer

Wer den mediterranen Geschmack schätzt, aber Kalorien sparen möchte, findet durchaus Alternativen. Dünnes Ciabatta ohne Ölbelag, kräftiges Vollkornbrot mit mediterranen Kräutern oder selbstgebackene Fladenbrote mit minimalem Ölanteil bieten ähnliche Geschmackserlebnisse bei deutlich besserer Nährstoffbilanz. Auch Gemüsesticks mit Kräuterquark können das Verlangen nach mediterranen Aromen stillen, ohne das Kalorienkonto zu belasten.

Die bewusste Portionierung ist entscheidend: Ein kleines Stück Focaccia als gelegentlicher Genuss lässt sich in einen ausgewogenen Ernährungsplan integrieren. Problematisch wird es erst, wenn das Fladenbrot zur täglichen Gewohnheit wird oder in großen Mengen verzehrt wird. Die ehrliche Auseinandersetzung mit Portionsgrößen und Verzehrhäufigkeit hilft, realistische Entscheidungen zu treffen und Diätziele nicht zu gefährden.

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Ich kannte die Kalorienzahl nicht

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