Pfirsiche aus der Dose: Diese Portionsangabe verschleiert den wahren Zuckergehalt

Wer beim Einkaufen zu Pfirsichen aus der Dose greift, vertraut meist darauf, eine gesunde und praktische Alternative zu frischem Obst gefunden zu haben. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm freien Zucker pro Tag zu konsumieren – doch viele Pfirsichprodukte überschreiten diese Menge bereits mit einer einzigen Dose. Das Problem liegt nicht nur im Zuckergehalt selbst, sondern vor allem in der Art, wie Hersteller ihre Portionsgrößen gestalten. Diese haben mit dem tatsächlichen Verzehrverhalten oft wenig zu tun, sodass Verbraucher unbemerkt deutlich mehr Kalorien und Zucker aufnehmen, als sie annehmen.

Die Illusion der kleinen Portion

Auf den ersten Blick wirken die Nährwertangaben vieler Pfirsichprodukte durchaus akzeptabel. Eine Portion enthält vielleicht nur 60 Kilokalorien und 12 Gramm Zucker – Werte, die für gesundheitsbewusste Käufer vertretbar erscheinen. Das Problem liegt in der Definition dessen, was als Portion bezeichnet wird. Häufig beziehen sich die Angaben auf gerade einmal 100 Gramm oder sogar nur auf die Hälfte des Doseninhalts, obwohl die meisten Menschen die gesamte Verpackung konsumieren.

Bei einer typischen Dose mit 400 oder 500 Gramm Inhalt vervierfacht oder verfünffacht sich der tatsächliche Nährwert entsprechend. Aus vermeintlich harmlosen 12 Gramm Zucker werden plötzlich 50 oder 60 Gramm – eine Menge, die sich erheblich auf die tägliche Zuckerbilanz auswirkt. Diese Rechnung führen die wenigsten Verbraucher im Supermarkt durch, was genau das ist, worauf Hersteller setzen.

Warum unrealistische Portionsangaben zum Problem werden

Die Portionsgröße ist keine gesetzlich festgelegte Kennzahl, sondern wird vom Hersteller selbst bestimmt. Diese Freiheit öffnet Tür und Tor für Angaben, die zwar formal korrekt sind, aber in der Praxis irreführen. Eine bundesweite Marktuntersuchung der Verbraucherzentralen von 2018 bestätigte diese Problematik nach Überprüfung von 211 Lebensmitteln: Verbraucher konsumieren tatsächlich deutlich größere Mengen als auf Verpackungen angegeben.

Wenn ein Becher mit Pfirsichen in Sirup für zwei Personen ausgelegt sein soll, tatsächlich aber von einer Person als Dessert verzehrt wird, entsteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Nährstoffaufnahme. Besonders tückisch wird es bei Produkten, die als gesunde Snacks oder leichte Zwischenmahlzeiten beworben werden. Hier greifen Verbraucher gezielt zu, weil sie eine kalorienarme Option suchen – und landen dennoch bei einer Zuckerbombe, die ihre Ernährungsziele konterkariert.

Der versteckte Zucker in der süßen Flüssigkeit

Pfirsiche in Dosen schwimmen meist in einer Flüssigkeit, die als leichter Sirup, Fruchtsaft oder Zuckerlösung deklariert wird. Diese Flüssigkeit trägt erheblich zum Gesamtzuckergehalt bei, wird aber in der Wahrnehmung vieler Käufer als harmlos eingestuft. Tatsächlich kann ein einziger Esslöffel dieser Flüssigkeit mehrere Gramm Zucker enthalten, was sich bei der kompletten Dose zu beachtlichen Mengen summiert.

Das perfide daran: Die Portionsangabe kann sich auf unterschiedliche Bezugsgrößen beziehen, was die Einschätzung zusätzlich erschwert. Wer die Dose komplett leert – und das tun die meisten – nimmt entsprechend mehr Zucker auf, als die Verpackung auf den ersten Blick suggeriert. Die Konsequenzen reichen von Gewichtszunahme über erhöhtes Kariesrisiko bis hin zu langfristigen Stoffwechselerkrankungen, die sich schleichend entwickeln.

So erkennen Sie irreführende Portionsangaben

Ein geschärfter Blick auf die Verpackung hilft, unrealistische Portionsgrößen zu identifizieren. Folgende Warnsignale sollten Sie stutzig machen:

  • Sehr kleine Portionsangaben bei Einzelverpackungen: Wenn ein Produkt, das augenscheinlich für eine Person gedacht ist, eine deutlich kleinere Portionsgröße angibt, wird der Nährwert geschönt.
  • Dezimalangaben bei Portionen: Formulierungen wie 2,5 Portionen pro Packung sind realitätsfern und erschweren die Umrechnung bewusst.
  • Unterschiedliche Bezugsgrößen: Bei Konserven können verschiedene Gewichtsangaben die Einschätzung erschweren, insbesondere wenn Flüssigkeitsanteile unterschiedlich berücksichtigt werden.
  • Fehlende Angabe pro Packung: Wenn ausschließlich Werte pro 100 Gramm oder pro Portion genannt werden, ohne eine Gesamtrechnung anzubieten, müssen Verbraucher selbst rechnen.

Der psychologische Effekt des gesunden Images

Obst genießt ein grundsätzlich positives Image als gesundes Lebensmittel. Hersteller nutzen diese Wahrnehmung, indem sie Pfirsichprodukte mit Begriffen wie natürlich, mit echtem Fruchtsaft oder vitaminreich bewerben. Diese Botschaften lenken davon ab, dass das verarbeitete Produkt mit frischem Obst kaum noch vergleichbar ist. Die Verbraucherzentralen dokumentierten zudem, dass bei Produkten, die an bestimmte Zielgruppen gerichtet sind, manchmal Referenzwerte gewählt werden, die die Nährwerte günstiger erscheinen lassen als bei Verwendung angepasster Bezugsgrößen.

Die Kombination aus gesundem Image und harmlos wirkenden Portionsangaben schafft eine falsche Sicherheit. Verbraucher glauben, eine verantwortungsvolle Wahl getroffen zu haben, während sie tatsächlich ein stark zuckerhaltiges Produkt konsumieren. Gerade Menschen, die bewusst auf ihre Ernährung achten oder Diabetes haben, verlassen sich auf korrekte Nährwertangaben. Irreführende Portionsgrößen untergraben diese Bemühungen und können gesundheitliche Probleme verschärfen.

Praktische Tipps für den bewussten Einkauf

Um nicht in die Portionsfalle zu tappen, sollten Sie folgende Strategien anwenden:

  • Rechnen Sie immer auf den Gesamtinhalt hoch: Multiplizieren Sie die Nährwerte mit der tatsächlichen Anzahl von Portionen, die Sie essen werden.
  • Vergleichen Sie pro 100 Gramm: Diese Angabe ist standardisiert und ermöglicht einen fairen Vergleich zwischen verschiedenen Produkten.
  • Lesen Sie die Zutatenliste genau: Steht Zucker, Glukosesirup oder Fruchtsaftkonzentrat weit vorne, ist der Zuckergehalt hoch – unabhängig davon, was die Portionsangabe suggeriert.
  • Bevorzugen Sie Varianten im eigenen Saft: Diese enthalten deutlich weniger zugesetzten Zucker als Produkte in Sirup.

Rechtliche Grauzonen und Verbraucherschutz

Die derzeitige Gesetzgebung gibt Herstellern erheblichen Spielraum bei der Festlegung von Portionsgrößen. Während die Nährwertkennzeichnung pro 100 Gramm verpflichtend ist, bleiben Portionsangaben freiwillig und unstandardisiert. Verbraucherschutzorganisationen fordern seit Jahren einheitliche, realistische Referenzmengen, die sich am tatsächlichen Verzehrverhalten orientieren. Die Untersuchungen der Verbraucherzentralen zeigen extreme Bandbreiten bei Portionsgrößen derselben Produktkategorie, was Vergleiche zusätzlich erschwert.

Alternative Optionen mit besserer Transparenz

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann zu Alternativen greifen, die von vornherein weniger Raum für Irreführung lassen. Frische Pfirsiche sind die transparenteste Option, da hier keine verwirrenden Angaben die Einschätzung erschweren. Auch tiefgekühlte Varianten ohne Zuckerzusatz bieten eine gute Möglichkeit, Vorrat zu halten und dabei die Kontrolle über den Nährwert zu behalten. Selbst eingemachte Pfirsiche ermöglichen es, die Zuckermenge selbst zu bestimmen und realistische Portionen abzufüllen. Der Aufwand lohnt sich besonders für Familien oder Menschen mit spezifischen Ernährungsbedürfnissen.

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln sollte Verbrauchern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen – nicht sie in die Irre führen. Bei Pfirsichprodukten zeigt sich exemplarisch, wie irreführende Portionsangaben diese Funktion untergraben. Nur wer genau hinschaut, rechnet und vergleicht, kann die süße Falle umgehen und tatsächlich das bekommen, was die eigenen Ernährungsziele erfordern.

Wie oft prüfst du die Portionsgröße bei Dosenobst?
Immer vor dem Kauf
Manchmal wenn ich dran denke
Nur die 100g Angaben
Eigentlich nie ehrlich gesagt
Ich esse nur frisches Obst

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